Ehrenpreisverleihung

2010 von Terre des Femmes

AWARD FOR THE COMMITTED SUPPORT IN DEFENCE OF HUMAN RIGHTS OF WOMES to
KIM LONGINOTTO; ELKE JONIGKEIT; JASMILA ZBANIC; MOHSEN MAKHMALBAF

Die Laudatio wird gehalten von Christa Stolle, Geschäftsführende Vorstandsfrau von TERRE DES FEMMES, November 2010

Elke Jonigkeit hängte 1979 ihren Beruf als Kunsterzieherin an den Nagel, um die Filmproduktionsfirma Circe-Film zu gründen. Seitdem arbeitet sie als freie Filmemacherin und Künstlerin. Für ihre Dokumentarfilme wurde sie auf internationalen Filmfestivals vielfach ausgezeichnet.
24 Jahre arbeitete Elke Jonigkeit in Pakistan und Afghanistan an einem „Afghanistan-Zyklus“, der aus mehreren Fernsehdokumentationen und zwei Dokumentarfilmen, sowie einer Ausstellung zum Thema Frauen in Afghanistan besteht. Einige dieser Filme und die Ausstellung wurden bei den FrauenWelten in Anwesenheit von Elke Jonigkeit in den vergangenen Jahren gezeigt.

Dieses Jahr sehen wir im neuen Dokumentarfilm wie das Leben der von ihr gefilmten Frauen in Afghanistan weitergeht. Für uns auch ein Wiedersehen mit den Gästen des Filmfestes 2005, die Elke aus Afghanistan nach Tübingen begleiteten, und deren Gespräche in das bisher einzige Filmfest-Buch eingingen. Im neuesten Film lernen wir sogar die Frauen der zweiten Generation kennen, die Töchter von Parwin und den anderen bewundernswerten Frauen, die Elke seit Jahren unter extrem schwierigen Bedingungen begleitet.

Deshalb startete Elke zusammen mit den Protagonistinnen ihrer Afghanistan-Filme ein Hilfsprojekt mit Bildungsprogrammen für Kriegswitwen und ihre Kinder in Afghanistan: einem Afghanistan, das sich wieder und immer mehr in Richtung auf die Bedingungen der Taliban-Zeit zurückentwickelt. Dazu gründete sie den Verein NAZO. Inzwischen hat sich das Projekt sehr positiv entwickelt und vergrößert, die Frauen erwirtschaften ihr Einkommen selbst und bilden sich ständig weiter. Mit ihren Filmen und Ausstellungen leistet Elke wichtige Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland für das Projekt als auch generell für die Mädchen und Frauen in Afghanistan.

Liebe Elke, auch Dir möchten wir heute den FrauenWelten-Ehrenpreis überreichen, in Dankbarkeit für Deine nie ermüdende Bereitschaft zu uns zu kommen und Deine Filme persönlich vorzustellen. Und ganz besonders für Dein Engagement Mädchen und Frauen in Afghanistan ganz konkret zu unterstützen, weil du uns damit zeigst, Mädchen und Frauen sind in Afghanistan nicht verloren.
Auch deine persönlichen solidarischen Beziehungen zur Filmfestleiterin Irene Jung und Dein guter Rat waren für das Vorankommen vom Frauen Filmfest immer positiv.

So möchte ich Dir sehr herzlich danken und diese Urkunde überreichen zusammen mit der Figur, die an unser gutes Zusammenwirken erinnern soll.

Ehrenpreisverleihung 2010 - mit Filmen die Welt verändern

Für die besonders engagierte Begleitung des Filmfests FrauenWelten in den zehn Jahren seines Bestehens wurden 2010 vier Ehrenpreise vergeben: An die Unterstützer der ersten Stunde, die Regisseursfamilie Makhmalbaf aus dem Iran, vertreten durch Mohsen Makhmalbaf, und an die Gewinnerin des Goldenen Bären Jasmila Zbanic aus Bosnien, die ihren neuesten Film „Na putu" in Tübingen vorstellte. Der Ehrenpreis für die britische Dokumentarfilmerin Kirn Longinotto wurde stellvertretend von Jackie Branfield aus Südafrika entgegengenommen. Sie ist Protagonistin in Longinottos berührendem Dokumentarfilm ,,Rough Aunties" über fünf unerschrockene Frauen, die missbrauchten Kindern in Südafrika helfen.
Langjährige FrauenWelten-Begleiterin ist auch die deutsche Dokumentarfilmerin Elke Jonigkeit, die mit den Protagonistinnen ihrer 25-jährigen Filmarbeit in Afghanistan erfolgreiche Frauenprojekte aufgebaut hat.
Bei der Verleihung der FrauenWelten-Ehrenpreise betonte lrene Jung vor allem die Gegenseitigkeit: ,,Von allen lernten wir enorm viel und tauschten uns aus - nicht nur über Filme und Filmarbeit, sondern auch über ihr tatkräftiges Engagement für Frauen in Ländern, die von Kriegen verwüstet, von verheerender Armut gezeichnet oder von frauenfeindlichen patriarchalen Strukturen geprägt sind. Ansteckend war auch ihr unverwüstlicher Optimismus, dass sich einmischen lohnt, dass über Filmarbeit hinaus die Wirklichkeit verändert werden kann." (Irene Jung)

Elke Jonigkeit, die ihre Filme über afghanische Frauen auf dem Festival vorstellte, findet zwar auch, dass die Mudjaheddin viel Einfluss haben und der Unterschied zwischen ihnen und den Taliban gering ist. Jedoch geht sie davon aus, dass jetzt der Moment gekommen ist, um die Frauen dort zu unterstützen, denn „es hat nie in den vergangenen Jahren ein solches Maß an Möglichkeiten für einen Aufbau gegeben. Es herrscht zwar kein völliger Frieden, aber es ist viel friedlicher als zuvor." Das hat sie motiviert, zusammen mit den afghanischen Frauen, die sie bei ihrer Filmarbeit kennen gelernt hatte, eine Hilfsorganisation zu gründen, die Arbeitsplätze schaffen, Qualifizierung ermöglichen und Selbständigkeit fördern möchte. Die Filme von Jonigkeit sind eine faszinierende Langzeitstudie über Frauen in Kabul: Mitte der 80-er Jahre filmte sie sowohl im sowjetisch besetzten Afghanistan als auch in den Flüchtlingslagern in Pakistan. Das Ergebnis war der sehr einfühlsame Film ,,Tschadari und Buz Kaschi", der unparteiisch die Tragik eines Volkes darstellt, das sich während des Kalten Krieges selbst zerfleischte. Fünfzehn Jahre später, kurz nach dem Sturz der Taliban, machte sie sich wieder auf die Reise, um die Frauen von damals zu suchen. Wenige Monate nach dem 11. September flog sie in einer Militärmaschine los. Sie flog allein, weil keine deutsche Kamerafrau mitkommen wollte. Die Situation war für ausländische Frauen doppelt gefährlich. Unglaublicherweise fand sie die Frauen ihres ersten Films wieder, die inzwischen als Lehrerin und Ausbilderin arbeiteten. Ein Resultat dieses Besuches war neben dem Film „Frauen in Kabul- Sterne am verbrannten Himmel" die Gründung der Hilfsorganisation NAZO, bei der außer den „Filmfrauen" auch eine Richterin und eine Ärztin mitarbeiten.
2010 stellt sie ihren neuen Film vor: Überleben in Kabul.