Zu Hause - was ist das eigentlich?

Eine Reise zu den Orten der Vergangenheit

Der Film porträtiert meine 70jährige Mutter, deren Leben von den Auswirkungen des 2.Weltkrieges geprägt wurde.
Es ist ein Film über Flucht, Trennung und wiederholten Neubeginn, der zeigt, dass "Flucht" kein Einzelschicksal ist.

Er erzählt vom Verlust der Heimat und den Versuchen, anderswo neu Fuß zu fassen. Er beschäftigt sich mit den Begleiterscheinungen des Krieges, von denen besonders die Frauen betroffen sind. Bei meiner Mutter führte das Getrenntsein vom Ehemann durch Krieg und Kriegsbeschädigung zur Entfremdung aber auch zur Hoffnung, sich später - irgendwann einmal - im vereinigten Deutschland wieder zu sehen.

Schon die wechselnden Wohnsitze meiner Mutter spiegeln den Verlauf deutscher Geschichte: Kindheit in Königsberg; Studium in Hannover während der Nazizeit; als junge Lehrerin zurück nach Ostpreußen, an die Memel wo sie meinen Vater kennenlernt; dann 1944 Flucht nach Schlesien und später - 1945 - weiter nach Naumburg, das zu den Film-Drehzeiten in der DDR lag.

1954 verlässt meine Mutter mit ihren fünf Kindern die DDR und ihren Ehemann, um in der BRD - in Hannover, ihrem früheren  Studienort - nochmals neu anzufangen. Als mein Vater später aus der DDR zwangsausgesiedelt wird, lebt er zwei Jahre bis zu seinem Tod wieder bei seiner Familie.

 

 

 

 

Es ist ein Film, in dem Zeit erfahrbar, Geschichte mit-erlebbar wird. Er stellt Beziehungen her zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zeigt das unterschiedliche Leben darin, ebenso die Verschiedenartigkeit im damaligen Leben der BRD, DDR, Polen und die Unwissenheit über den russischen Teil Ostpreußens.
Im Film treten wir beide - Mutter und Tochter - eine Reise zu den Orten der Vergangenheit an. Für meine Mutter ist es eine Expedition zurück in die durchlebte Zeit, für mich, die Tochter, eine Suche nach ihren persönlichen Wurzeln: Die Reise beginnt im Kopf, da das nördliche Ostpreußen heute immer noch ein Teil Russlands ist. Archivmaterial führt den Betrachter in die versunkene Zeit "von damals" und in die Nazizeit. In Polen und der DDR finden Mutter und Tochter Orte, die sie wiedererkennen und Menschen, die sich an sie erinnern. Die moderne Großstadt Hannover bildet einen harten Kontrast zu den Orten, in denen meine Mutter früher gelebt hat. Aber Hannover ist ihr Zuhause geworden, wo sie ihren Lebensabend verbringt.

Pressestimmen

Credits

  • Titel: Zu Hause - was ist das eigentlich?
  • Produktionsland: Deutschland
  • Produktion: CIRCE-FILM-GmbH, 1984
  • Farbe
  • Format: 16 mm (3:4)
  • Länge: 45 Min.
  • Regie: Elke Jonigkeit
  • Kamera: Serge Roman(BRD) / Eberhard  Leupold (DDR)/ Piotr Soboschinski (Polen)
  • Ton: Hartmut Kaminski
  • Schnitt: Elke Jonigkeit