NAZO Deutschland e.V.

Hilfe für Frauen in Afghanistan

Hier können Sie die Archiv-Seite aufrufen
Aktivitäten bis Dezember 2021
Und hier können Sie die aktuelle Seite aufrufen (Aktivitäten ab Januar 2022)

Häufig werde ich gefragt, wie es zu dem Selbsthilfe Projekt „NAZO -Deutschland e.V.“ kam.

Als Dokumentaristin möchte ich immer eine ganz besondere Nähe zu meinem Gegenüber, zum Interviewpartner*in, aufbauen. Oft entwickelt sich sogar eine Freundschaft. So schön das ist – so schwierig ist es bei Beendigung der Filmarbeiten. Mit dem aufgebauten Vertrauen zwischen Regisseurin und Protagonist*in haben sich auch Hoffnungen und Verpflichtungen entwickelt, die in der Regel unerfüllt bleiben müssen, weil man schon mit dem nächsten Film beschäftigt ist.

Unsere Filme „Stumme Schreie“, „Die Kinder von Himmlerstadt“, „Steh auf, es ist Krieg“ brachte uns mit Menschen zusammen, die unter dem deutschen Faschismus und dem 2. Weltkrieg sehr gelitten hatten. Überall wo wir hinkamen waren wir die ersten Deutschen, die sich für das Schicksal der Polen*innen, Weißrussen*innen, Russen*innen interessierten. Unsere Interviewpartner*innen waren froh, ja sogar dankbar, dass endlich 35, 40 Jahre nach Kriegsende sich Deutsche für sie interessieren. Ihre Leidensgeschichten sprudelten nur so aus den Menschen heraus. Am Schluss beschenkten sie uns sogar noch mit Fotografien, selbst  getöpferten Krügen oder handgestickten Tischdecken – und was hatten wir? Eigentlich nur das Versprechen, dass wir ihre Geschichte der westlichen Öffentlichkeit bekannt machen. Richtig helfen konnten wir ihnen nicht. Denn diese Menschen hätten – neben einer dauerhaften finanziellen Entschädigung - Hilfe gebraucht bei Behördengängen,  ärztlicher Versorgung, therapeutischer Begleitung oder viel einfacher: Hilfe, ihren Alltag zu bewältigen.

Ich wollte und konnte nicht noch mehr nicht eingelöste Verantwortung  und Verpflichtungen übernehmen - und entschied für mich, nicht weitere Opfer des Deutschen Faschismus kennenzulernen.
Ich suchte nach einem anderen Thema – „Etwas mit Kunst“ schwebte mir vor.  In dieser Zeit der persönlichen Neuorientierung bekam ich die Gelegenheit, eine afghanische Hochzeit in Pakistan zu filmen – und machte mich sofort auf den Weg. Wenn ich mich so vorbereitet hätte wie ich es von meiner Filmarbeit gewohnt war, wäre ich vielleicht gar nicht gefahren. Denn „ich kam vom Regen in die Traufe“. Nun saß ich zwar nicht mehr den Opfern des deutschen Faschismus gegenüber, aber den vom Krieg zerrütteten afghanischen Flüchtlingsfrauen und ihren Familien. Für mich war es dennoch ein Unterschied: Für das Leid in Afghanistan waren wir Deutschen nicht hauptsächlich verantwortlich (jedenfalls nicht in den 1980/90er Jahren.

Als meine afghanische Freundin Parwin 2002 – wir standen vor ihrem zerbombten Haus – zu mir sagte ,,Uns geht es ja noch gut, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir sind gebildet; aber wir müssen irgendwas tun für diese Frauen" - sie meinte damals vor allem die Kriegswitwen - ,,die gar nichts haben" überfiel mich zunächst eine tiefe Scham – aber es war auch ein Weckruf. Ich komme aus einem der reichsten Länder Welt und ich habe noch die Kraft, jetzt endlich mehr zurückzugeben als Aufklärung durch einen Film. So habe ich Afghanistan auch als Chance begriffen, den Menschen vor der Kamera etwas zurück zu geben, den geschundenen Menschen konkret zu helfen.

Am nächsten Tag setzten Parwin, Hafiza und ich uns zusammen und überlegten. Schnell war klar: Das Wichtigste ist die Bildung und die vielen Witwen – Analphabetinnen – brauchen kurzfristig Arbeitsmöglichkeiten. Diese Frauen müssen eigenes Geld verdienen, damit sie und ihre Kinder nicht verhungern.

So entwickelten wir die Idee vom Ausbildungszentrum, in dem Frauen und Mädchen einfache Handwerksberufe erlernen können. Mit Schneiderei fingen wir an. Schnell kamen andere Handwerksberufe hinzu: Schmuck, Taschen Tücher und seit 2016 werden auch Teppiche in den einzelnen Werkstätten hergestellt.
Zurück in Deutschland fand ich Mitstreiter*innen und wir gründeten den Verein „NAZO Deutschland e.V.– Hilfe für Frauen in Afghanistan“.
Von Anfang an organisierten wir Informationsveranstaltungen, wie Ausstellungen, Versteigerungen, afghanische Festessen. Wir hielten Vorträge und zeigten meine Filmen. Später kam dann der Verkauf der schönen Schmuckstücke, bestickten Tücher und anderer Produkte, die „unsere“ Frauen in Kabul und Kapiza herstellen, hinzu.

Jetzt bin ich 76 Jahre alt und kann guten Gewissens den Verein und die Arbeit in Afghanistan an meinen langjährigen Freund und Stellvertreter Nurullah Ebrahimy übergeben. Hier der Link zur aktuellen Webseite.